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Persönliche Retrospektiven – Eine Einleitung

Eine persönliche Retrospektive ist ein regelmäßiges Ritual, in welchem man sich die Zeit nimmt über sich selbst nachzudenken und zu reflektieren.

In diesem Artikel, möchte ich beschreiben, was eine Retrospektive für ein Team ist und wo die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu einer persönlichen Retrospektive liegen. Zusätzlich möchte ich schreiben, warum ich es für wichtig halte, eine persönliche Retrospektive durchzuführen. Zu guter Letzt werde ich ein paar Worte dazu sagen, wie ich dazu komme, darüber zu schreiben.

 

Was ist eine Retrospektive im Team?

Zeit zum Nachdenken und Reflektieren

Eine Retrospektive im Team ist ein Ritual, in dem sich das Team mit sich selbst beschäftigen kann. Das Team nimmt sich eine gewisse Zeit, um darüber zu sprechen, was im Projekt passiert ist. Es wird gemeinsam darüber nachgedacht und reflektiert.

In einer Retrospektive, kannst du deine Gedanken und Erfahrungen aus deiner Perspektive mit deinen Teamkollegen teilen. Zusätzlich kannst du lernen, wie deine Teamkollegen das Projekt empfunden haben.

Aber warum macht man solch eine Retrospektive? Ziel einer Retrospektive ist das Lernen aus den Erfahrungen innerhalb des Teams. Aber passiert das nicht ohnehin?

Linda Rising bringt an dieser Stelle immer ein sehr schönes Beispiel. Sie erzählt von einer ihrer Freundinnen, die bisher dreimal geheiratet hat – und dann auch dreimal geschieden wurde. Hat diese Dame wirklich aus ihren Erfahrungen lernen können? Oder anders gesprochen: Hast du noch nie einen Fehler zum zweiten mal gemacht?

Wenn man von seinen Erfahrungen lernen möchte, hilft es sich über die Erfahrungen klar zu werden. Über das, was man erlebt hat zu reflektieren. Du musst dir ansehen, was du getan hast und verstehen wie diese Dinge das Team und das Projekt beeinflusst haben. Dann kannst du Schlüsse daraus ziehen und so besser aus deinen Erfahrungen lernen. Genau das ist der Grund, warum man eine Retrospektive durchführt.

Ein sehr wichtiger Aspekt wenn man im Team eine Retrospektive durchführt ist, dass man nicht der Versuchung erliegt, sich gegenseitig Vorwürfe zu machen. Eine Retrospektive ist keine Bewertung, es ist eine Möglichkeit zu lernen.

Norman Kerth hat dieses Grundprinzip als Retrospective Prime Directive (Haupt-Richtlinie eine Retrospektive) formuliert, welche einer jeden Retrospektive zu Grunde liegen sollte:

Unabhängig davon was wir entdecken, wir verstehen und glauben fest das jeder im Team sein Bestes gegeben hat, angesichts dessen was er zu dem Zeitpunkt wusste, seiner Fähigkeiten, der verfügbaren Mittel und der Situation in der er sich befand.

Grundfragen einer Retrospektive

In einer Retrospektive beschäftigt sich das Team mit vier Grundfragen, welche die Schlüsse der Retrospektive in vier Bereiche unterteilen:

1. Was ist gut gelaufen und sollte diskutiert werden, da wir ansonsten Gefahr laufen es zu vergessen?

Zur Beantwortung dieser Frage sollte das Team sich mit seinen Erfolgen auseinandersetzten.

Was ist wirklich gut in diesem Team oder Projekt? Warum sind wir erfolgreich? Wie können wir ähnliche Erfolge auch in Zukunft erzielen?

2. Was haben wir gelernt?

Bei dieser Frage, soll sich das Team mit der jüngsten Vergangenheit beschäftigen.

Was sind die Muster die im Team bestehen? Welche Ideen zur Verbesserung können von unserer Erfahrung gewonnen werden?

3. Was sollten wir beim nächsten mal anders machen?

In dieser Frage sollte diskutiert werden, welche Aspekte nicht gut gelaufen sind. Allerdings steht dabei im Vordergrund, wie so etwas beim nächsten mal verhindert werden kann.

Warum ist etwas schief oder nicht optimal gelaufen? Welche Veränderungen können wir ausprobieren, damit es beim nächsten mal besser läuft?

4. Was bereitet uns immer noch Kopfzerbrechen

In dieser Frage beschäftigt man sich damit, welche Punkte innerhalb des Teams noch offen sind. Oft sind dabei auch Dinge, die nicht optimal sind, aber innerhalb des Teams einfach nicht verändert werden können. Es kann sehr hilfreich ein, diese Dinge jedem transparent zu machen.

Was macht uns Sorgen? Gibt es Umstände, welche es für uns schwerer machen unsere Arbeit als Team zu tun?

Um diese Fragen zu beantworten, gibt es eine Reihe von Übungen von Übungen aus der Familientherapie abgeleitet sind. Ich werde in späteren Artikeln darauf eingehen, welche Übungen ich für persönliche Retrospektiven ausprobiert habe.

Was ist eine persönliche Retrospektive?

Grundsätzlich ist eine persönliche Retrospektive das selbe, was auch eine Retrospektive im Team ist. Mit einem kleinen Unterschied: Man führt sich ganz alleine durch. Während einer persönlichen Retrospektive denkst du über deine Leben nach und reflektierst über das, was du getan und erlebt hast. Man kann, wenn man das möchte, jemand anderen bitten, die persönliche Retrospektive zu unterstützen. Ich persönlich habe allerdings bisher nur alleine meine Retrospektiven durchgeführt.

Persönliche Retrospektiven sind eine Grundgerüst für die Selbstreflektion. Was für mich funktioniert, kann aber muss nicht für dich funktionieren. Wenn du deine eigene Retrospektive planst, sollte sie auf deine Bedürfnisse abgestimmt sein.

Der größte Unterschied zwischen einer persönlichen und einer Team-Retrospektive ist die fehlende verbale Kommunikation. Während einer Retrospektive im Team geht alles darum, Informationen untereinander auszutauschen – dabei unterstützen Karteikarten, Post-It Notes und Whiteboard die Diskussion. Während einer persönlichen Retrospektive findet alles in deinem Kopf statt.

Das ist der Grund, warum ich meine persönlichen Retrospektiven immer auf Papier dokumentiere. Ich schreibe meine Gedanken mit der Hand auf. Ich habe das Gefühl, dass durch den Akt des Schreibens meine Gedanken klarer werden. Nach Ende der Retrospektive tippe ich die Notizen in mein persönliches Wiki ein – aber das Papier bewahre ich auf.

Persönliche Retrospektiven sind ein Werkzeug für mich, mit dem ich mein gesamtes Leben steuere. Ich reflektiere über meine Arbeit, meine Hobbies, meine Beziehungen zu allen möglichen Menschen und mehr oder minder alles andere.

Es wäre zu bemerken, dass Retrospektiven keine ambitionierte ToDo Liste sind. Für mich ist es oft wichtiger festzustellen, dass ich mal eine Pause machen muss oder das ich einfach nur mal wieder jemanden anrufen sollte. Diese wichtigen Einblicke in mein eigenes Leben würden möglicherweise untergehen, wenn ich keine persönlichen Retrospektiven durchführen würde.

Warum sollte man eine persönliche Retrospektive durchführen?

Ok – fangen wir so an: Warum führe ich Retrospektiven durch?

Es gibt so viele Dinge, die ich in meinem Leben nicht wahrgenommen habe, bevor ich regelmäßig persönliche Retrospektiven durchgeführt habe. Als ich damit begann, habe ich mehr davon verstanden, was ich wirklich in meinem Leben tun möchte. I fange an, Muster zu sehen, wie ich mein Leben besser gestalten könnte. Ich sehe deutlicher, was mit mir und meinem Leben passiert – und wie ich mich dabei fühle.

Ich nutze Retrospektiven dazu, zu lernen was in meinem leben passiert und wie es mein Leben beeinflusst. Ich nutze es dazu, meine Arbeit und mein Privatleben besser zu machen.

Persönliche Retrospektiven haben mir geholfen, deutlich bewusster mit meinem Leben umzugehen. Seit ich persönliche Retrospektiven durchführe habe ich mehr über mich selbst gelernt – obwohl das natürlich auch damit zu tun haben könnte, das ich älter geworden bin …

Warum schreibe ich darüber?

Ich bin kein Experte was Team Retrospektiven angeht – und ich verkaufe sie auch nicht ;-).

Nein, ich schreibe diese Blog Serie, weil ich meine Erfahrungen teilen möchte. Ich habe persönliche Retrospektiven Anfang des Jahres 2009 begonnen. Seitdem habe ich mein individuelles Schema für persönliche Retrospektiven entwickelt.

Und genau das, möchte ich teilen. Ich denke, es kann für den einen oder anderen hilfreich sein.

Ich möchte hier auch kurz klarstellen, dass ich keine Untersuchungen dazu gemacht habe. Ich werde beschreiben, was für mich funktioniert hat. Ich kann nicht wirklich sagen, ob es bei dir oder jemand anderen auch funktioniert. Aber vielleicht helfen die Beispiele die ich in den nächsten Wochen und Monaten bringen möchte dir, dein eigenes, individuelles Schema zu entwickeln. Du wirst ein wenig damit experimentieren müssen.

Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn du mir schreibst, was du darüber denkst und was für dich funktioniert hat – und was nicht.

Zum Schluss: Ich glaube daran, das es dir kaum schaden wird ein wenig Zeit zu investieren, über dich selbst zu reflektieren und nachzudenken.

Wo kann ich mehr erfahren?

Dies ist der erste Teil einer Serie mit etwa zehn bis 15 Artikeln zum Thema persönliche Retrospektiven. Einige Artikel habe ich schon in Englisch verfasst, du findest sie unter in meinem Blog unter Personal Retrospectives Series[eng]. Dieser Artikel ist eine Eigenübersetzung von Personal Retrospectives – An Introduction[eng].

Ich hab mir das natürlich nicht alles selbst ausgedacht. Hier ist die Liste von anderen Materialien [eng].

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Johannes Thoenes • 28. April 2013


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Comments

  1. Juliette Vandenberg 16. März 2015 - 17:30 Reply

    Ich kann das folgende Buch sehr empfehlen:
    http://retrospektiven-kurzundgut.de/

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